Bestimmungsgemäße Verwendung
Die bestimmungsgemäße Verwendung beschreibt, wie, wo und unter welchen Bedingungen eine Maschine nach den Vorgaben des Herstellers verwendet werden darf. Sie bildet eine wichtige Grundlage für Risikobeurteilung, Konstruktion, Betriebsanleitung und sicheren Betrieb.
Definition: Was ist die bestimmungsgemäße Verwendung?
Die bestimmungsgemäße Verwendung beschreibt den vorgesehenen Einsatz einer Maschine entsprechend den Angaben des Herstellers. Sie legt fest, welche Aufgaben die Maschine erfüllen soll und welche Bedingungen dabei eingehalten werden müssen.
Dazu gehören nicht nur die herzustellenden Produkte oder auszuführenden Arbeitsgänge. Auch Benutzergruppen, Betriebsarten, Materialien, Umgebungsbedingungen und Grenzen der Maschine müssen berücksichtigt werden.
Eine klare Definition verhindert, dass der vorgesehene Einsatz zu allgemein bleibt. Gleichzeitig schafft sie die Grundlage für eine vollständige Risikobeurteilung.
Praxisbeispiel: Automatische Verpackungsmaschine
Eine automatische Verpackungsmaschine wurde dafür konstruiert, vorgegebene Kartonformate in einem industriellen Produktionsbereich zu verarbeiten. Die Maschine darf nur mit freigegebenen Materialien und innerhalb der festgelegten Abmessungen betrieben werden.
Der Automatikbetrieb ist nur bei geschlossenen und wirksamen Schutzeinrichtungen zulässig. Einrichten, Reinigung und Störungsbeseitigung dürfen ausschließlich in den dafür vorgesehenen Betriebsarten und durch unterwiesene Beschäftigte erfolgen.
Werden größere Kartons verarbeitet, Schutzeinrichtungen entfernt oder nicht freigegebene Materialien eingesetzt, kann die Maschine außerhalb ihrer bestimmungsgemäßen Verwendung betrieben werden. Dadurch können neue oder erhöhte Risiken entstehen.
Was gehört zur bestimmungsgemäßen Verwendung?
Die notwendigen Angaben hängen von Maschine, Anwendung und Zielgruppe ab. Eine belastbare Beschreibung betrachtet jedoch mehrere Bereiche.
Aufgabe der Maschine
Beschreibung der vorgesehenen Bearbeitung, Herstellung, Bewegung oder Verarbeitung.
Werkstoffe und Produkte
Zulässige Materialien, Werkstücke, Abmessungen, Gewichte und Produkteigenschaften.
Benutzergruppen
Vorgesehene Bediener sowie erforderliche Qualifikation, Fachkunde und Unterweisung.
Betriebsarten
Vorgesehene Betriebsarten für Produktion, Einrichten, Reinigung, Wartung und Störungsbeseitigung.
Einsatzumgebung
Zulässige Temperatur, Feuchtigkeit, Beleuchtung, Aufstellung und Umgebungsbedingungen.
Grenzen der Verwendung
Unzulässige Anwendungen, ausgeschlossene Stoffe und ausdrücklich nicht vorgesehene Tätigkeiten.
Zusammenhang mit der Risikobeurteilung
Die bestimmungsgemäße Verwendung gehört zur Festlegung der Grenzen einer Maschine. Ohne diese Grenzen lässt sich nicht vollständig bestimmen, welche Tätigkeiten, Personen und Gefährdungen in der Risikobeurteilung berücksichtigt werden müssen.
Die Risikoanalyse umfasst das Festlegen dieser Grenzen, die Identifizierung der Gefährdungen und die Risikoeinschätzung. Die Gefährdungsanalyse vertieft die systematische Ermittlung konkreter Gefährdungen und Gefährdungssituationen innerhalb dieser Grenzen.
Daraus entstehen geeignete Schutzmaßnahmen. Nach deren Umsetzung muss der Hersteller prüfen, welche Restrisiken verbleiben und wie die Benutzer darüber informiert werden.
Typische Betrachtungsbereiche
- Normalbetrieb und vorgesehene Produktionsabläufe
- Einrichten und Wechseln von Werkzeugen oder Produkten
- Reinigung und Störungsbeseitigung
- Inspektion, Wartung und Reparatur
- Transport, Montage und Inbetriebnahme
- Außerbetriebnahme, Demontage und Entsorgung
Bestimmungsgemäße Verwendung oder vorhersehbare Fehlanwendung?
Beide Begriffe gehören zusammen, beschreiben jedoch unterschiedliche Formen der Maschinennutzung.
Bestimmungsgemäße Verwendung
Die Maschine wird entsprechend den Vorgaben des Herstellers, der Betriebsanleitung und den festgelegten Einsatzbedingungen verwendet.
Vorhersehbare Fehlanwendung
Die Maschine wird anders als vorgesehen verwendet. Dieses Verhalten kann sich jedoch aus leicht vorhersehbarem menschlichem Verhalten ergeben.
Nicht vorhersehbare Nutzung
Eine sachfremde Nutzung, die sich nicht vernünftigerweise vorhersehen lässt, gehört nicht automatisch zum Betrachtungsumfang des Herstellers.
Weitere Informationen zur Abgrenzung enthält der Glossarbeitrag vernünftigerweise vorhersehbare Fehlanwendung .
Wo wird die bestimmungsgemäße Verwendung dokumentiert?
Die bestimmungsgemäße Verwendung muss innerhalb der technischen Dokumentation nachvollziehbar festgelegt werden. Besonders wichtig ist eine eindeutige und verständliche Beschreibung in der Betriebsanleitung.
Typische Angaben in der Betriebsanleitung
- vorgesehene Aufgabe und Funktion der Maschine
- zulässige Werkstoffe, Produkte und Abmessungen
- vorgesehene Bediener und erforderliche Qualifikation
- zulässige Betriebsarten und Arbeitsabläufe
- Grenzwerte für Leistung, Geschwindigkeit oder Belastung
- notwendige Umgebungs- und Aufstellbedingungen
- erforderliche Schutzausrüstung und Schutzmaßnahmen
- bekannte Restrisiken und sichere Verhaltensweisen
- vorhersehbare und ausdrücklich untersagte Fehlanwendungen
Die Angaben müssen mit der Risikobeurteilung, der Konstruktion und den tatsächlich vorhandenen Schutzfunktionen übereinstimmen. Widersprüchliche oder zu allgemein formulierte Angaben erschweren die sichere Verwendung.
Rechtlicher und normativer Rahmen
DIN EN ISO 12100
Die DIN EN ISO 12100 beschreibt die bestimmungsgemäße Verwendung als wichtigen Bestandteil der Festlegung von Maschinengrenzen. Sie verbindet die vorgesehene Nutzung mit der Risikobeurteilung und Risikominderung.
Maschinenrichtlinie und Maschinenverordnung
Für Maschinen, die vor dem 20. Januar 2027 in Verkehr gebracht werden, gilt grundsätzlich die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG . Die vorgesehene Verwendung und vorhersehbare Fehlanwendungen müssen bei Konstruktion und Betriebsanleitung berücksichtigt werden.
Ab dem 20. Januar 2027 gilt grundsätzlich die Verordnung (EU) 2023/1230 über Maschinen . Sie definiert die bestimmungsgemäße Verwendung als Verwendung entsprechend den Angaben in der Betriebsanleitung.
Betriebliche Verwendung
Arbeitgeber müssen nach der Betriebssicherheitsverordnung prüfen, ob sich ein Arbeitsmittel für die vorgesehene Verwendung unter den tatsächlichen betrieblichen Bedingungen eignet.
Welche Bedeutung hat die bestimmungsgemäße Verwendung für Betreiber?
Betreiber müssen die Maschine entsprechend den Herstellerangaben verwenden und die tatsächlichen Einsatzbedingungen in ihrer Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen. Dabei reicht es nicht aus, die Betriebsanleitung nur bereitzuhalten.
Typische Aufgaben des Betreibers
- Eignung der Maschine für die geplante Aufgabe prüfen
- zulässige Produkte, Materialien und Grenzwerte einhalten
- Beschäftigte unterweisen und Betriebsanweisungen erstellen
- vorgesehene Betriebsarten und Schutzeinrichtungen nutzen
- abweichende Arbeitsweisen und Fehlanwendungen erkennen
- technische oder organisatorische Veränderungen bewerten
- Wirksamkeit betrieblicher Schutzmaßnahmen kontrollieren
Soll eine Maschine dauerhaft anders eingesetzt werden, muss der Betreiber prüfen, welche Auswirkungen dies auf Gefährdungen, Schutzmaßnahmen und Maschinensicherheit hat. Je nach Umfang kann eine erneute Risikobeurteilung oder die Bewertung einer wesentlichen Veränderung erforderlich sein.
Typische Fehler bei der Festlegung
Zu allgemeine Beschreibung
Formulierungen wie „zum Bearbeiten von Werkstücken“ legen die Grenzen der Maschine nicht ausreichend fest.
Nur Normalbetrieb betrachtet
Einrichten, Reinigung, Wartung und Störungsbeseitigung bleiben unberücksichtigt.
Benutzer nicht festgelegt
Erforderliche Qualifikation, Fachkunde oder Unterweisung werden nicht eindeutig beschrieben.
Fehlanwendung ausgeschlossen
Vorhersehbare Verhaltensweisen werden pauschal als verbotene Nutzung abgetan.
Widersprüchliche Unterlagen
Risikobeurteilung, Betriebsanleitung und technische Ausführung passen nicht zusammen.
Änderungen nicht bewertet
Neue Produkte, Materialien oder Arbeitsabläufe werden eingeführt, ohne die Risiken erneut zu prüfen.
Warum eine klare Abgrenzung wirtschaftlich wichtig ist
Eine präzise bestimmungsgemäße Verwendung schafft Planungssicherheit. Hersteller können Schutzkonzepte und technische Dokumentation gezielt auf den vorgesehenen Einsatz ausrichten.
Betreiber erkennen schneller, ob eine Maschine zur geplanten Aufgabe passt oder ob technische Anpassungen erforderlich werden. Dadurch lassen sich Fehlbedienungen, unnötige Umbauten und ungeklärte Verantwortlichkeiten reduzieren.
Verwandte Begriffe
Die bestimmungsgemäße Verwendung legt einen wichtigen Teil der Maschinengrenzen fest. Sie verbindet die Risikobeurteilung mit vorhersehbaren Fehlanwendungen, Schutzmaßnahmen und Restrisiken.
Häufige Fragen zur bestimmungsgemäßen Verwendung
Wer legt die bestimmungsgemäße Verwendung fest?
Der Hersteller legt die bestimmungsgemäße Verwendung im Rahmen von Konstruktion, Risikobeurteilung und technischer Dokumentation fest. Betreiber müssen diese Vorgaben bei der Verwendung berücksichtigen.
Wo steht die bestimmungsgemäße Verwendung?
Sie muss insbesondere in der Betriebsanleitung nachvollziehbar beschrieben werden. Zusätzlich bildet sie eine Grundlage der technischen Dokumentation und Risikobeurteilung.
Was gehört zur bestimmungsgemäßen Verwendung?
Dazu gehören unter anderem Aufgabe, Betriebsarten, Materialien, Produkte, Benutzergruppen, Einsatzumgebung, Leistungsgrenzen und zulässige Tätigkeiten.
Was passiert, wenn eine Maschine anders verwendet wird?
Eine abweichende Verwendung kann neue oder erhöhte Risiken verursachen. Der Betreiber muss prüfen, ob zusätzliche Schutzmaßnahmen, eine neue Risikobeurteilung oder eine Bewertung der Veränderung erforderlich sind.
Ist jede nicht bestimmungsgemäße Nutzung eine Fehlanwendung?
Eine abweichende Nutzung ist nicht automatisch eine vernünftigerweise vorhersehbare Fehlanwendung. Entscheidend ist, ob sich das Verhalten aus leicht vorhersehbarem menschlichem Verhalten ergeben kann.
Kann der Betreiber die bestimmungsgemäße Verwendung ändern?
Der Betreiber kann die vom Hersteller festgelegte bestimmungsgemäße Verwendung nicht nachträglich umdefinieren. Plant er einen abweichenden Einsatz, muss er dessen Auswirkungen auf Risiken, Schutzmaßnahmen, Dokumentation und den rechtlichen Maschinenstatus vorab bewerten.
Maschinengrenzen eindeutig festlegen
Fuhr EDV unterstützt Unternehmen bei der Festlegung von Maschinengrenzen, der Risikobeurteilung und der nachvollziehbaren Abstimmung von Schutzmaßnahmen und technischer Dokumentation.