Glossar · Maschinensicherheit

Risikoanalyse bei Maschinen

Die Risikoanalyse bei Maschinen umfasst das Festlegen der Maschinengrenzen, die Identifizierung von Gefährdungen und die Risikoeinschätzung. Dabei werden insbesondere das mögliche Schadensausmaß und die Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts betrachtet. Sie ist ein zentraler Bestandteil der Risikobeurteilung.

Suchintention: Information Zuletzt aktualisiert: Juli 2026

Definition: Was ist eine Risikoanalyse bei Maschinen?

Die Risikoanalyse ist der Teil der Risikobeurteilung, der die Festlegung der Maschinengrenzen, die Identifizierung von Gefährdungen und die Risikoeinschätzung umfasst. Die systematische Gefährdungsanalyse liefert dafür die notwendigen maschinenspezifischen Gefährdungssituationen.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie schwer ein möglicher Schaden sein kann und wie wahrscheinlich es ist, dass dieser Schaden tatsächlich eintritt. Dabei werden unter anderem die Häufigkeit und Dauer der Gefährdungsexposition, die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Gefährdungsereignisses sowie die Möglichkeit zur Vermeidung oder Begrenzung des Schadens betrachtet.

Die Risikoanalyse liefert damit die fachliche Grundlage für die anschließende Entscheidung, ob das vorhandene Risiko ausreichend reduziert wurde oder weitere Schutzmaßnahmen erforderlich sind.

Merksatz: Die Gefährdungsanalyse identifiziert mögliche Gefährdungen und Gefährdungssituationen. In der Risikoanalyse werden diese Ergebnisse zusammengeführt und die Risiken eingeschätzt.

Praxisbeispiel: Risikoanalyse an einer Presse

Bei einer Presse wurde eine Quetschgefährdung zwischen Werkzeug und Werkstückaufnahme erkannt. Beschäftigte können diesem Bereich beim Einrichten und bei der Störungsbeseitigung ausgesetzt sein.

Im Rahmen der Risikoanalyse wird zunächst das mögliche Schadensausmaß betrachtet. Da schwere Handverletzungen möglich sind, ist die potenzielle Schadensschwere hoch. Anschließend wird bewertet, wie häufig Beschäftigte den Gefahrenbereich erreichen, wie lange die Exposition dauert und ob eine gefährliche Bewegung rechtzeitig erkannt und vermieden werden kann.

Die Bewertung zeigt, dass das Risiko ohne zusätzliche Maßnahmen nicht ausreichend reduziert ist. Der Hersteller muss deshalb geeignete konstruktive oder technische Schutzmaßnahmen festlegen und anschließend erneut prüfen, welches Risiko verbleibt.

Einordnung

Einordnung in den Ablauf der Risikobeurteilung

Die Schritte vom Festlegen der Maschinengrenzen über die Ermittlung der Gefährdungen bis zur Risikoeinschätzung bilden gemeinsam die Risikoanalyse. Darauf folgt die Risikobewertung.

1. Maschinengrenzen festlegen

Verwendung, Betriebsarten, Benutzergruppen, Lebensphasen und vorhersehbare Fehlanwendungen werden definiert.

2. Gefährdungen ermitteln

Die Gefährdungsanalyse beschreibt Gefährdungen, Gefährdungssituationen und mögliche Gefährdungsereignisse.

3. Risiken analysieren

Schadensschwere und Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts werden für jede relevante Gefährdungssituation eingeschätzt.

4. Risiken bewerten

Der Hersteller beurteilt, ob das Risiko ausreichend reduziert wurde oder weitere Maßnahmen erforderlich sind.

6. Restrisiko beurteilen

Nach Umsetzung der Maßnahmen wird geprüft, welches Restrisiko weiterhin besteht.

Welche Bestandteile umfasst eine Risikoanalyse?

Eine belastbare Risikoanalyse betrachtet nicht nur eine einzelne Kennzahl. Sie verbindet mehrere Einflussfaktoren, die gemeinsam das Risiko einer konkreten Gefährdungssituation bestimmen.

Schadensschwere

Bewertet wird, welche Verletzungen oder Gesundheitsschäden durch die Gefährdung entstehen können.

Gefährdungsexposition

Betrachtet werden Häufigkeit und Dauer, mit der Personen einer Gefährdungssituation ausgesetzt sein können.

Eintrittswahrscheinlichkeit

Es wird eingeschätzt, wie wahrscheinlich ein Gefährdungsereignis unter den betrachteten Bedingungen auftreten kann.

Vermeidungsmöglichkeit

Bewertet wird, ob betroffene Personen den Schaden erkennen, vermeiden oder zumindest begrenzen können.

Betroffene Personen

Bediener, Einrichter, Instandhalter, Reinigungspersonal und weitere Personengruppen können unterschiedlichen Risiken ausgesetzt sein.

Betriebszustand

Normalbetrieb, Einrichten, Reinigung, Wartung und Störungsbeseitigung können zu unterschiedlichen Risikoeinschätzungen führen.

Wie wird ein Risiko eingeschätzt?

Für die Risikoeinschätzung werden die mögliche Schadensschwere und die Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts miteinander verbunden. Die Bewertung sollte für jede konkrete Gefährdungssituation separat erfolgen.

Dabei ist wichtig, realistische Betriebsbedingungen zugrunde zu legen. Eine seltene Tätigkeit kann trotzdem ein hohes Risiko besitzen, wenn schwere Verletzungen möglich sind und Personen die Gefahr kaum vermeiden können. Umgekehrt ist eine häufige Exposition nicht automatisch mit einem hohen Risiko gleichzusetzen, wenn das mögliche Schadensausmaß gering ist.

Unternehmen verwenden häufig Risikographen, Risikomatrizen oder andere Bewertungsverfahren. Diese Hilfsmittel unterstützen eine einheitliche Vorgehensweise, ersetzen jedoch keine fachliche Begründung der gewählten Einstufung.

Wichtig: Eine Risikozahl allein ist nicht ausreichend. Die zugrunde liegenden Annahmen, Gefährdungssituationen und Bewertungskriterien müssen nachvollziehbar dokumentiert werden.

Was ist der Unterschied zwischen Risikoanalyse und Risikobewertung?

Die Begriffe Risikoanalyse und Risikobewertung werden häufig gemeinsam verwendet, beschreiben jedoch unterschiedliche Schritte.

Risikoanalyse

Die Risikoanalyse ermittelt und beschreibt das vorhandene Risiko. Dazu werden mögliche Schäden und die Wahrscheinlichkeit ihres Eintritts eingeschätzt.

Risikobewertung

Die Risikobewertung entscheidet auf Grundlage der Analyse, ob das Risiko bereits ausreichend reduziert wurde oder weitere Maßnahmen erforderlich sind.

Ergibt die Bewertung einen zusätzlichen Handlungsbedarf, werden geeignete Maßnahmen festgelegt. Danach wird das Risiko erneut analysiert und bewertet. Dieser iterative Prozess wird fortgeführt, bis eine ausreichende Risikominderung erreicht ist.

Zusammengefasst: Die Risikoanalyse beschreibt die Höhe und Bedeutung eines Risikos. Die Risikobewertung entscheidet, ob weitere Schutzmaßnahmen notwendig sind.

Normativer Rahmen der Risikoanalyse

Die zentrale methodische Grundlage für Risikobeurteilung, Risikoanalyse und Risikominderung an Maschinen bildet die DIN EN ISO 12100 .

Die Norm beschreibt ein strukturiertes Verfahren, das von der Festlegung der Maschinengrenzen über die Identifizierung von Gefährdungen bis zur Risikoeinschätzung, Risikobewertung und Risikominderung reicht.

Den rechtlichen Rahmen bilden die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und künftig die EU-Maschinenverordnung 2023/1230. Die Richtlinie gilt grundsätzlich für Maschinen, die vor dem 20. Januar 2027 in Verkehr gebracht werden; die Verordnung gilt grundsätzlich ab diesem Datum.

Die Ergebnisse der Risikoanalyse fließen in die technischen Unterlagen der Maschine und damit in das Konformitätsbewertungsverfahren ein.

Welche Bedeutung hat die Risikoanalyse für Unternehmen?

Die Risikoanalyse hilft Unternehmen, sicherheitstechnische Entscheidungen nachvollziehbar und priorisiert zu treffen. Sie zeigt, an welchen Gefährdungssituationen ein besonders hoher Handlungsbedarf besteht und welche Risiken zuerst reduziert werden sollten.

Wird das Risiko zu niedrig eingeschätzt, können Schutzmaßnahmen unzureichend bleiben. Eine pauschal zu hohe Einstufung kann dagegen zu unnötig aufwendigen Lösungen führen. Entscheidend ist deshalb eine fachlich begründete und maschinenspezifische Bewertung.

Auch Änderungen an bestehenden Maschinen können eine erneute Risikoanalyse erfordern. Das gilt insbesondere bei einem Umbau von Bestandsmaschinen, einer Leistungserhöhung, neuen Betriebsarten oder einer wesentlichen Veränderung.

Typische Folgen einer fehlerhaften Risikoanalyse

  • Risiken werden unterschätzt oder nicht angemessen priorisiert.
  • Schutzmaßnahmen passen nicht zur tatsächlichen Gefährdungssituation.
  • Bewertungen sind fachlich nicht nachvollziehbar.
  • Ähnliche Risiken werden uneinheitlich eingestuft.
  • Technische Unterlagen enthalten widersprüchliche Angaben.
  • Nachträgliche Anpassungen verursachen Zeit- und Kostenaufwand.

Häufige Fehler bei der Risikoanalyse

Unklare Gefährdungssituation

Das Risiko wird bewertet, ohne Tätigkeit, Gefahrenstelle und betroffene Person konkret zu beschreiben.

Nur mit Risikozahlen arbeiten

Eine rechnerische Einstufung wird dokumentiert, aber nicht fachlich begründet.

Schadensschwere unterschätzen

Mögliche Verletzungsfolgen werden zu niedrig bewertet oder auf typische Fälle begrenzt.

Exposition falsch einschätzen

Seltene, aber gefährliche Tätigkeiten wie Wartung oder Störungsbeseitigung werden übersehen.

Schutzmaßnahmen vorwegnehmen

Das Ausgangsrisiko wird bereits unter Berücksichtigung geplanter Schutzmaßnahmen bewertet.

Keine Neubewertung durchführen

Nach Umsetzung von Maßnahmen wird das verbleibende Risiko nicht erneut untersucht.

Was ist der Unterschied zwischen Gefährdungsanalyse und Risikoanalyse?

Beide Schritte gehören zur Risikobeurteilung, erfüllen jedoch unterschiedliche Aufgaben.

Gefährdungsanalyse

Die Gefährdungsanalyse identifiziert Gefährdungen, Gefährdungssituationen und mögliche Gefährdungsereignisse an der Maschine.

Risikoanalyse

Die Risikoanalyse untersucht anschließend, welches Risiko aus der jeweiligen Gefährdungssituation entsteht. Sie betrachtet mögliche Schadensfolgen und die Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts.

Ohne vollständige Gefährdungsanalyse kann auch die Risikoanalyse nicht belastbar sein. Umgekehrt reicht die reine Benennung einer Gefährdung nicht aus, um geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen.

Wissensnetzwerk

Verwandte Begriffe

Die Risikoanalyse verbindet die Ermittlung von Gefährdungen mit der Bewertung des Handlungsbedarfs und der Auswahl geeigneter Schutzmaßnahmen.

Risikobeurteilung Gefährdungsanalyse Restrisiko Schutzmaßnahmen Bestimmungsgemäße Verwendung Vernünftigerweise vorhersehbare Fehlanwendung Risikobeurteilung für Altmaschinen Sicherheitsbewertung von Altmaschinen Wesentliche Veränderung

Häufige Fragen zur Risikoanalyse bei Maschinen

Was ist das Ziel einer Risikoanalyse?

Ziel ist es, die Maschinengrenzen festzulegen, Gefährdungen zu identifizieren und die zugehörigen Risiken anhand möglicher Schadensfolgen und ihrer Wahrscheinlichkeit einzuschätzen.

Gehört die Risikoanalyse zur Risikobeurteilung?

Ja. Die Risikoanalyse ist ein zentraler Bestandteil der Risikobeurteilung und bildet die Grundlage für die anschließende Risikobewertung.

Welche Faktoren werden bei der Risikoanalyse berücksichtigt?

Berücksichtigt werden insbesondere Schadensschwere, Expositionshäufigkeit, Eintrittswahrscheinlichkeit eines Gefährdungsereignisses und Vermeidungsmöglichkeiten.

Welche Norm gilt für die Risikoanalyse an Maschinen?

Die DIN EN ISO 12100 bildet die zentrale methodische Grundlage für Risikobeurteilung, Risikoanalyse und Risikominderung an Maschinen.

Was ist der Unterschied zwischen Risikoanalyse und Risikobewertung?

Die Risikoanalyse beschreibt und schätzt ein Risiko ein. Die Risikobewertung entscheidet anschließend, ob weitere Maßnahmen zur Risikominderung erforderlich sind.

Muss nach Schutzmaßnahmen erneut bewertet werden?

Ja. Nach Umsetzung von Schutzmaßnahmen sollte das verbleibende Risiko erneut analysiert und bewertet werden.

Kann eine Risikomatrix die fachliche Bewertung ersetzen?

Nein. Eine Risikomatrix kann die Bewertung strukturieren, ersetzt aber nicht die fachliche Betrachtung der konkreten Gefährdungssituation und ihrer Einflussfaktoren.

Wann muss eine Risikoanalyse aktualisiert werden?

Eine Aktualisierung kann erforderlich sein, wenn sich Konstruktion, Nutzung, Betriebsarten, Schutzmaßnahmen oder andere sicherheitsrelevante Bedingungen ändern.

Praxisbezug

Risiken nachvollziehbar analysieren und bewerten

Fuhr EDV unterstützt Hersteller und Unternehmen bei der systematischen Analyse und Bewertung von Risiken an Maschinen. Dabei werden konkrete Gefährdungssituationen, mögliche Schadensfolgen, Exposition und Eintrittswahrscheinlichkeit nachvollziehbar betrachtet und dokumentiert.